Viele Fotos der Ausstellung im kunstraum m1 sind auch in der virtuellen Ausstellung »WUT UND WANDEL« zu sehen.
Jeweils mit Infos zum Kontext. Mehr Infos: hier…

Was vor aller Augen geschah…

 

Maskeraden, Straßenproteste, Punks am Spritzenplatz, Wandparolen, Auseinandersetzungen am Bauzaun, Schleichen statt Leichen…: In den 70er und 80er Jahren hielt ich die vielfältigen Aktionen der politischen Initiativen und das Straßenleben in Ottensen und Altona mit meiner Kamera fest.

1978 hatte ich mit anderen Kunst- und Grafikstudent:innen in einem Ottenser Hinterhof die Gruppe *WERKHAUS* gegründet. Mit der Gestaltung von Plakaten, Broschüren und Flugblättern unterstützten wir die damaligen Aktivist:innen. 1981 sprühte ich »Stell Dir vor, es ist Krieg, und Keiner geht hin.« an die Wand des Heiligengeistfeldbunkers und veröffentlichte den Spruch als Plakat. Es verbreitete sich viral.

Passend zum Altonale-Motto »Vor aller Augen« wird im Kunstraum m1 ab 5. Juni mit Schwarzweissfotografien, Graffitisprüchen und einer virtuellen Ausstellung an diese Zeit des Ohnmachtsgefühls und des Aufbruchs erinnert.

1982: Culture clash am Spritzenplatz in Hamburg-Ottensen

1982: Bürgermeisterkandidat Walter Leisler-Kiep versucht in Ottensen die Werbetrommel für sich zu rühren.

Hamburg, 1. April 1978: Aktionstag der Bunten Liste – Wehrt Euch
Bizarr: ein maskierter Aktivist hat es sich als linkes Schreckgespenst bequem gemacht.

Weddewarden, Herbst 1983 – Adams Apfel
Während der Blockade der Zufahrtsstraßen zur Carl-Schurz-Kaserne entkleidete sich dieser Mann, ging auf die aufmarschierten Polizeireihen zu und demonstrierte seine Friedfertigkeit auf sehr beeindruckende wie mutige Weise.

Hamburg, 11. Juni 1982
Anlässlich Ronald Reagans Deutschlandbesuchs und aus Protest gegen den Nato-Doppelbeschluss inszenierten Hamburger Friedensbewegte ein Straßentheater.

Hamburg, November 1983
Anlässlich der Innenministerkonferenz fand in der Hamburger Innenstadt ein Umzug statt. Einige Demonstrierende hatten sich Pappmasken mit dem Konterfei des damaligen Innenministers Friedrich Zimmermann aufgesetzt.
Dieser Herr beobachtete sehr breitbeinig das Treiben auf der Hamburger Mönckebergstraße. 

Er mag sich vielleicht fragen: »Was soll dieser ganze Zirkus?«

Ausstellung beendet.

Herzlichen Dank an alle Besucherinnen und Besucher für das große Interesse und die vielen inspirierenden Gespräche!

Sollte im Nachhinein Interesse an Fotografien oder anderen Exponaten der Ausstellung bestehen – bitte telefonisch oder per Mail nachfragen.

Am 12. Juli 2026 erschien ein sehr wertschätzender Artikel über die Ausstellung und den Spruch »Stell Dir vor, es ist Krieg und Keiner geht hin.« bei ZEIT ONLINE. Hier kann er nachgelesen werden (Bezahlschranke).

1983 (Ottensen): Der Pudel und seine Frisur – damit auch beim Gassigehen etwas Extravaganz gezeigt werden konnte.

Hamburg, November 1983 – Badekappitalisten
Anlässlich der Innenenministerkonferenz in Hamburg organisierte die linksalternative Kulturszene ein »Büßer- und Abwieglertreffen«. 

 
Das Foto zeigt Demonstrierende, die mit Badekappen, Sonnenbrillen und den Schildern »BRDeutschland GmbH & Co KG« die Aufmerksamkeit auf sich zogen, um so auf künstlerisch-satirische Weise das Vermummungsverbot wie das kapitalistische System anzuprangern.

Hamburg, 7. Mai 1984
Während des 35. Übersee-Tags in Hamburg besuchte Helmut Kohl Hamburg. Da der Bundeskanzler Hamburg nur selten besuchte, organisierte die Hamburger Linke ihm zu Ehren eine »Jubeldemo«.
Am Rande dieser Demonstration kam es zur erregten Diskussion zwischen einer engagierten jungen Frau und der Polizei.

Macho-Protest gegen Fahrrad-Demo, 1981
Entnervt von Verkehrsunfällen, Lärm und Abgasen gründete sich in Hamburg-Ottensen die Initiative »Schleichen statt Leichen«. Sie fand bundesweit viele Nachahmer. Die Aktivist*innen organisierten Fahrraddemos und Straßenblockaden.
Während einer der Aktionen empörte sich ein Kneipenbesucher am Straßenrand und deutete an, was er von der Aktion hielt.
Die Aktionen waren schließlich erfolgreich und führten zur Einführung von Tempo 30-Zonen im Stadtteil.

Hamburg-Ottensen, 1981
Moment am Rande einer Demonstration. Es blieb bei einem verbalen Streit und die Situation eskalierte nicht.

Hamburg, 1. April 1978

Aktionstag der Bunten Liste – Wehrt Euch
Auf dem Poster ist zu lesen:

»Ich bin 1qm sozialer Wohnungsbau.
1974 sollte ich höchstens 4,70 DM kosten
(sagte Bauminister Bialas). 

Heute koste ich bis zu SIEBEN DM.«

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